Henri Deparade
| 1972–77 | Studium an der Hochschule für Kunst und Design Halle „Burg Giebichenstein“ im Fachbereich Malerei und Grafik |
| ab 1977 | Atelier für Malerei und Grafik in Halle, seitdem Ausstellungen; Mitglied im Verband Bildender Künstler, zeitweise Mitarbeit in Fachgremien des VBK |
| 1977–78 | Assistent von Prof. H.H. Wagner im Studiengang Malerei an der HfDK Halle |
| 1980–82 | Aspirantur an der HfKD Halle im FB Malerei und Grafik |
| 1983–85 | Meisterschüler bei Willi Sitte |
| 1984 | Preis für Malerei der Ausstellung „Junge Kunst“ im Alten Museum Berlin |
| 1991–92 | Oberassistent an der Hochschule für Kunst und Design in Halle „Burg Giebichenstein“ in der Grundlehre |
| seit 1992 | Professor für Zeichnen und Grundlagen elementarer Gestaltung an der HTW Dresden |
| seit 1995 | Atelier für Malerei und Grafik in Dresden |
Seither ca. 75 Ausstellungsbeteiligungen und ca. 45 Einzelausstellungen in Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz und USA, 8 Beteiligungen an internationalen Kunstmessen.
Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, Österreich, Schweiz, USA, Italien und Belgien.
Ausführungen verschiedener künstlerischer Aufträge; unter anderem in 2004 - Auftrag durch den Internationalen Währungsfond in Washington „Porträt Prof. Dr. Horst Köhler“ (Bundespräsident).
Die Fragen (Auszug) an Henri Deparade stellte: Frau Dr. habil Ingrid Koch, Kunstkritikerin, Dresden; Mitarbeiterin der Kunstzeitschrift „Weltkunst“, München.
Bei einer Betrachtung Ihres Werkes fällt ein radikaler Wandel der malerischen Handschrift auf. Wie und wann kam es zu diesem Wechsel von einem relativ veristischen Ausdruck zu dieser Expressivität?
Wenn wir von Expressivität des Bildaufbaus sprechen, ist das, auf meine Malerei bezogen, nur insofern richtig, wenn wir hierin nicht eine elaborierte Erscheinungsform neoexpressionistischer Malerei sehen. Ich glaube sagen zu dürfen, es geht um etwas anderes, ganz eigenes, auf meine frühere künstlerischen Entwicklung Gewachsenes zurück. Im Grunde genommen handelt es hierbei um eine Abkehr vom veristischen Realismus unter teilweiser Einbeziehung andersartiger realer Bezüge. So ging es mir zunächst formal darum den Dualismus von Figur und Grund aufzuheben.
Entsprechend einer Malerei der „freien Figuration“, durchdringen sich Bildraum und Figuren gegenseitig. Indem ich jedes entschiedene Figur- Grundverhältnis auflöse, komme ich meiner Intention nahe, Figur und Raum so miteinander zu verschmelzen, dass die menschlichen Figuren ihre Lokalfarbigkeit und damit an Gewicht verlieren, das heißt sie erscheinen transparent, in gewisser Weise bewegt und mehrdeutig. Umso entschiedener können die zeichnerischen und malerischen Setzungen, eines teilweise kalkulierten und eines teilweise spontanen Malduktus, als autonome Strukturen ins Wirkungsfeld des Bildes treten. Damit öffnet sich der Raum für multifokale, sich überschneidende Assoziationen sowohl für den Maler, als auch für den Interpreten.
Hier kann es gelingen den Rezipienten als Interpreten ernst zu nehmen, indem man eine narrative Struktur zugunsten einer assoziativen Freiheit auflöst. Zeit- und Raumachsen relativieren sich, malerisch konkret verschiebt sich das Gewicht vom „Realitätssinn“ zum „Möglichkeitssinn“. Was das inhaltlich bedeutet, habe ich später vielleicht noch Gelegenheit auszuführen. Zunächst noch so viel, und das ist wichtig zu wissen, bei einer solchen Bildkomposition kommt die sinnliche Ausstrahlung in einem anderen „Aggregatzustand“ zum Vorschein; damit ist vielleicht schon für mich ein eigener veränderter intentionaler Begriff von Sinnlichkeit in der Malerei verbunden.
Nicht mehr Illusionsräume, Farbperspektiven, Stofflichkeiten, so beispielsweise der Glanz der menschlichen Haut, wie sie selbst in einer Malerei des expressiven Duktus noch beim späten Corinth, bei Rouault, bei Heisig, bei Auerbach und bei Kossoff in Erscheinung treten, liegen innerhalb meiner malerischen Intention; explizit bekenne ich mich zum Vorrang einer Sinnlichkeit der reinen malerischen Farbfläche und der gezeichneten Linie, hier investiere ich mit Entschiedenheit die Kraft meines malerischen Vortrags.
Jene Figuren sind damit nicht mehr unmittelbar zu bewerten, sie sind zu einem Teil der malerischen Vermittlung, einer spezifischen Sprache aus Bildzeichen geworden; nicht mit der zum Programm erhobenen standardisierten Verbindlichkeit eines Penck und auch nicht einem experimentellen Syntheseprogramm des späten Picasso vergleichbar, aber denen verwandter als den Malern eines gegenständlichen Expressionismus bzw. Neoexpressionismus. Aus all dem geht hervor, dass ich mir ein Ausstellungspublikum erhoffe, das Freude daran hat, sich selbst aktiv mit einer solchen Bildsprache auseinanderzusetzen.
Solcherart Interessenten erwarten dabei vom Maler nicht Antworten als inhaltlich ablesbare „Fix- und Fertigkeiten“, sondern Fragestellungen, die ihre eigene Fantasie herausfordern. Glücklicherweise habe ich gerade solche Bestätigungen in der letzten Zeit erfahren, das drückt sich im Interesse von Galeristen, Kunstwissenschaftlern, Sammlern und überhaupt Käufern meiner Arbeiten aus, aber auch zunehmend im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern. Das gibt Kraft diesen Weg weiter zu gehen.
Aber es handelt sich ja nicht mehr nur um einen Wandel der Form, sondern auch um einen Wandel in den Sujets. Heute begeben Sie sich vordergründig in die Gefilde der Sagenwelt, etwa der Argonauten.
Also, wie gesagt, es geht mir nicht so sehr um diese Gefilde der Sagenwelt, nicht mal um ihren narrativen Kern, sondern um Bilder und Figuren, die mit diesen Mythen verbunden sind und die jeder gebildete Europäer kennt. Jeder verbindet Vorstellungen mit Prometheus, Pandora, Iason, Medea oder Orest und besonders mit Ödipus. Das Theater bedient sich dieser Stoffe für heutige Botschaften, Schriftsteller wie Christa Wolf ebenso, wenn man an ihre feministisch beleuchtete Medea denkt; für die Maler der Moderne war Freuds Metaphorik in diesem Sinne relevant. Auch für mich trifft das zu, nicht zu unrecht rückte mich Klaus Hammer in die Nähe der Surrealisten.
Zwar nicht psychoanalytischen Spekulationen folgend, deren dilettierender Gebrauch einem Freud, einem Adler oder einem Jung nicht gefallen haben könnten, geht es mir ganz frei von einem solchen Kontext, um selbst erfahrene oder selbst beobachtete psychische Spannungsfelder in menschlichen Beziehungen. Gemeint sind also nicht die mythischen Figuren unserer Kulturgeschichte als solche, sondern es geht mir um innere Konflikte, die durch diese repräsentiert werden könnten.
Das klingt gewaltig, ist aber gar nicht so gemeint, denn jeder kann im Falle des Gelingens, sich in seinen ganz eigenen Erfahrungen darin wieder finden. Es liegt auf der Hand, dass die künstlerische Erlebnisebene, beim Betrachter zu diesen alten Geschichten Zuflucht nimmt, aber in der Art meiner Bilder, wenn ich das richtig sehe, ist der „Möglichkeitssinn“ angesprochen, das heißt auch, dass im multivalenten Assoziationsraum, jeder seine Geschichte finden und bis hin zur Identifikation sich selber weiter erfinden kann. Eine solche Herangehensweise schließt Monomythen mithin aus, nicht der „Fortschrittsmythos“ der Geschichtsentwicklung, nicht der „Heilsmythos“ oder auch nicht der des „neuen Menschen“ etc., die alle totalitäre Gefahren in sich bergen, ist für den, der diesen Gefährdungen durch die Außenwelt, wie ich, selbst ausgesetzt war, von Anziehung.
Im Übrigen habe ich in diesem Sinne schon zu Zeiten der DDR dieser Art der in Anspruchnahme widerstanden, weil psychologische Individualisierung im Porträt und darüber hinaus Multivalenz in der Bildaussage allgemein für meine künstlerische Arbeit bestimmend war. So glaube ich, dass mein Zugang dazu ganz individueller Art ist.
Die griechische Sagenwelt mit ihrer polymythischen, undogmatischen, sich metaphorisch überlagernden Struktur, kommt meinen vorhin erklärten Intentionen nach Multivalenz entgegen, anderseits führt sie zu den Wurzeln unserer europäischen Kultur zurück und eröffnet über ihre existenziellen Bilder die Möglichkeit eines Bogenschlags zu ganz heutigen Themen.
Im Dresdner Theater brachte die Inszenierung der „Orestie“ eine Diskussion über die Grundlagen der Demokratie. Ich habe mich 2004 davon zu einer ganzen Reihe von Bildern anregen lassen. Aufgezeigt werden u.a. die schicksalhaft- verheerenden Kreisläufe von Gewalt und Rache, die dann durchbrochen werden konnten, in der Geburtsstunde der Demokratie.
Mich interessierte dabei mehr die Spirale der Gewalt und wie diese immer wieder neu motiviert wird; jeder kann sich seinen Gedanken dazu hingeben, wie diese alten Kräfte noch in unsere moderne Welt hineinwirken. Noch immer dieses Denken in Sieger- und Verlierermentalitäten. Trotz dieser von Konflikten geladenen Stoffe, die zunächst Anstoß für meine Arbeit sind und zu entsprechenden, aber relativ freien Thematisierungen führen, geht es mir in meiner Malerei um etwas Allgemeineres, für mich Wichtigeres.
Es geht vorrangig um ein Zeugnis eigner Hervorbringung als Gleichnis der Harmonie, lebendiger Existenz, also um eine Schönheit, die mit Spannungen und Dissonanzen spielt, sich ihres Selbstwertes bewusst ist und sich dennoch nicht auf einen bequemen Sockel niederlässt.
Eines Ihrer derzeit nicht so in der Öffentlichkeit stehenden Arbeitsfelder ist das Porträt. Welche Rolle spielt es in Ihrer künstlerischen Tätigkeit?
Ein Gegenentwurf zu Repräsentationsporträts entstand nicht in bewusster Abgrenzung, sondern nolens volens aus meiner künstlerischen Haltung heraus, die mehr auf Pluralität angelegt war, mich interessierten schon immer mehr unterschiedliche individuell- psychologische Aspekte beim Porträt; Verallgemeinerungen überlasse ich gern den Betrachtern. Mich fesselte dabei das individuell- persönlich Atmosphärische, mit einem heutigen Modewort gesagt, der „private sky“ des jeweiligen Menschen.
Jeder Mensch, so sagte einst sinngemäß Ernst Bloch, ist auch geistig von einer ganz eigenen Duftwolke umgeben. Deshalb waren auch die im „Selbstauftrag“ entstandenen Porträtbilder die besseren, weil auf Grund der Kenntnisse über die Person, diese einerseits psychologisch eindringlicher, unbewusst analytischer und damit, pragmatisch gesehen, suggestiver gerieten. Ein gutes Beispiel dafür ist, so glaube ich, eine Reihe von Bildnissen des Lyrikers Wilhelm Bartsch, mit dem ich freundschaftlich verbunden, oft im Gespräch Dinge ins Bewusstsein brachte, die mich noch heute beschäftigen.
Porträtmalerei fordert die Fähigkeit zur Empathie heraus, hilfreich dabei und auch bei der Umsetzung in eine überzeugende Form ist es, wenn man zu dem betreffenden Menschen, vor unserem „innern Auge“, in einer tragfähigen menschlichen Beziehung steht. Es sind einige „Individual- Porträts“, das glaube ich sagen zu dürfen, von einer gewissen psychologischen Deutlichkeit entstanden, ob dabei gleichsam auch von „Generationen- Porträts“ gesprochen werden kann, das mögen andere entscheiden, die etwas Abstand dazu haben.
Einzelausstellungen (Auswahl)
| 2010 | Berlin, Galerie Son |
| 2009 | Nürnberg, Landskron Schneidzik - Galerie und Kunstagentur |
| Zürich, Galerie Pius Müller- Art Seefeld | |
| Basel, Leonard Ruethmueller Contemporary Art | |
| München, Galerie Andreas Baumgartl | |
| 2008 | Hamburg, galerie molitoris |
| Berlin, Art Center Berlin Friedrichstrasse | |
| Hannover, Art Gallery der Nord LB | |
| Wien, Galerie Lehner | |
| Dresden, Galerie Beyer | |
| Andernach, Kunsthaus Schöne | |
| Salzburg, Städtische Galerie im Mirabellgarten/ Galerie Herrmann Gerlich | |
| Galerie Anne Moerchen, Hamburg | |
| Hannover, Sprengelmuseum | |
| 2007 | Zürich, Galerie See 301- Pius Müller |
| Arth am Zuger See, Galerie Meier | |
| München, Otto- Galerie und Galerie Schreiter GmbH | |
| 2006 | Stuttgart, Galerie Tanner |
| Krefeld, Galerie Heidefeld & Partner | |
| Magdeburg, Galerie Himmelreich /Kunstverein Magdeburg | |
| Gotha, Galerie Finkbein | |
| Schwerin, Galerie Kronshof | |
| 2005 | Salzburg, Galerie Weilinger (K) |
| Berlin, Galerie Nering und Stern (K) | |
| 2004 | Dresden, Galerie der „Deutschen Werkstätten Hellerau“ |
| Dresden, Galerie Nütt | |
| Ahrenshoop, Kunsthalle | |
| Marburg, Galerie Schmalfuss | |
| 2003 | Halle, Stadtmuseum |
| Berlin, Galerie Mutter Fourage | |
| Berlin, Artibus Fine Arts | |
| 2002 | Salzburg, Galerie Weilinger (K) |
| Basel, Galerie Demenga | |
| München, Otto-Galerie | |
| 2001 | St. Augustin, Galerie Jutta Radicke |
| Berlin, Galerie Bremer | |
| Salzburg, Galerie Weilinger | |
| Berlin, Galerie Pohl | |
| Dresden, Galerie Beyer, (P) | |
| Dresden, Kunsthalle im Artforum (P) | |
| Dresden, NetArtGallery, (P) | |
| Düsseldorf, EP Galerie & Edition (F) | |
| 2000 | Chemnitz, Galerie Rosenkranz |
| Berlin, Galerie M | |
| 1999 | Köln, Galerie Ute Mronz |
| Berlin, Galerie NO TRE | |
| Trittau (Hamburg), Trittauer Kunstverein | |
| 1998 | Wittenberg, Galerie im Cranachhaus (K) |
| Pulsnitz, Ernst- Rietschel- Kulturring e.V. (K) | |
| Berlin, Galerie Reinke | |
| 1997 | Frankfurt am Main, Galerie Walter Ehrler |
| Wiesbaden, Galerie 40 | |
| 1996 | Speyer, Galerie Kulturraum Speyer |
| Weimar, Galerie Hebecker (K) | |
| 1995 | Dresden, Galerie der Deutschen Werkstätten Hellerau |
| 1994 | Roth (bei Nürnberg), Galerie im Schloss Roth |
| 1993 | Würzburg, Otto-Richter-Kunsthalle |
| 1992 | Nürnberg - Feucht, Galerie im Pfinzingschloß |
| 1991 | Halle, Galerie im Regierungspräsidium |
| 1988 | Halle, Galerie im Institut für Festkörperphysik |
| 1987 | Leipzig, Galerie der Universität Leipzig „Moritzbastei“ |
| 1986 | Halle, Galerie des Künstlerbundes im Marktschlößchen |
| 1981 | Halle, Galerie „Kunst der Zeit“ |
| 1980 | Bernburg, Galerie im Institut der Akademie der Wissenschaften |
| 1979 | Halle, Galerie des Künstlerbundes im Marktschlößchen |
Ausstellungsbeteiligungen
| 2010 | Dresden, „Köpfe“, Neuer Sächsischer Kunstverein |
| Peking, Kunstmesse CIGE 2010 | |
| Münster, Kunstmesse mit der Galerie Strüßmann | |
| Düsseldorf, Kunst & Antiquitätenmesse mit der Galerie Strüßmann | |
| 2009 | Mumbai (Bombay), Art- Expo mit der Galerie Pius Müller Zürich |
| 2007 | Stuttgart, Galerie TANNER, Künstler der Galerie |
| Karlsruhe, Art Karlsruhe bei Galerie/ Kunsthandel & Edition Verbrüggen Köln | |
| Hamburg, Galerie Anne Moerchen, Künstler der Galerie | |
| Berlin, Galerie Nering & Stern, Künstler der Galerie | |
| 2006 | Stuttgart, Galerie TANNER, Künstler der Galerie |
| Hamburg, Galerie Anne Moerchen, Sommerausstellung u. Weihnachtsausstellung- Künstler der Galerie | |
| Düsseldorf, EP-Galerie ,Künstler der Galerie „Die menschliche Figur“ | |
| Karlsruhe, Art Karlsruhe - One Man Show, durch Galerie TANNER Stuttgart (K) | |
| 2005 | Dresden, Galerie Beyer, Sommerausstellung |
| Gotha, Galerie Finkbein, „Künstler der Galerie“ | |
| Salzburg, Galerie Weilinger, „Künstler der Galerie -Herbstausstellung“ | |
| Salzburg, Festspielausstellung im Foyer des Festspielhauses (mit Baselitz, Lüpertz, Anzinger) | |
| Wien, Galerie Peithner- Lichtenfels, Sommerausstellung | |
| Leipzig, Große sächsische Kunstausstellung (K) | |
| Düsseldorf, EP-Galerie ,Künstler der Galerie | |
| Marburg, Galerie Schmalfuss, Künstler der Galerie | |
| Berlin, Galerie Nering & Stern, Künstler der Galerie | |
| 2004 | Wien, Galerie Peithner- Lichtenfels, Sommerausstellung |
| Schwerin, Kunstverein Schloss Wiligrad (mit D. Reinemer u. Steffi Deparade- B.) | |
| Dresden, Galerie Sybille Nütt | |
| Berlin, Galerie Nering & Stern, Künstler der Galerie | |
| 2003 | Salzburg, Galerie Weilinger, Künstler der Galerie (mit Frohner, Rainer, Staudacher) |
| Carmel, USA-Kalifornien, The Hart Gallery Fine Art | |
| Dresden, Galerie Sybille Nütt | |
| 2002 | Berlin, Galerie Lichtblick |
| Wien, Kunst- und Antiquitätenmesse in der Hofburg Wien bei Galerie Weilinger | |
| Wien, „kunstwien“ im Museum für angewandte Kunst - vertreten d. die Galerie Weilinger | |
| Düsseldorf, EP-Galerie ,Künstler der Galerie | |
| Salzburg, Galerie Weilinger, Künstler der Galerie (mit Frohner, Rainer, Staudacher) | |
| Carmel, USA-Kalifornien, The Hart Gallery Fine Art | |
| 2001 | Dresden, intern. Kunstmesse „Kunstmarkt Dresden“, durch Galerie Demenga, Basel „One Man Show“ (K) |
| Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast | |
| Düsseldorf, EP-Galerie ,Künstler der Galerie (F) | |
| 2000 | Essen, Galerie Klose, „Landschaftsmalerei“ |
| Dresden, intern. Kunstmesse „Kunstmarkt Dresden“, durch Galerie (F) | |
| Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast | |
| Dresden, intern. Kunstmesse „Kunstmarkt Dresden“, durch Galerie Walter Bischoff Stuttgart, Berlin | |
| 1999 | Erfurt, Galerie Rothamel, „Landschaftsmalerei“ |
| 1998/99 | Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast (K) |
| 1998/2002 | Frankfurt a. M., Galerie Walter Ehrler, „Figurative Malerei“ |
| 1997/98 | Dresden, intern. Kunstmesse „Kunstmarkt Dresden“, durch Galerie von Geymüller, Essen (K) |
| Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast (K) | |
| 1996 | Dresden, Galerie Döbele, „Sommerausstellung“ |
| Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast (K) | |
| 1995 | Halle Ausstellung des Kunstvereins Halle |
| 1993/94/95 | Düsseldorf - Große Kunstausstellung Düsseldorf- NRW im Kunstpalast (K) |
| 1992 | Trier, Künstler aus Rheinland- Pfalz und Sachsen-Anhalt in der TUFA (K) |
| 1992/94 | Halle, Kunstschau Sachsen-Anhalt I u. II, Ausstellungshallen Peißnitz |
| 1991 | Köln, Interart - Galerie Reich |
| 1989 | Frankfurt/O., „Stand der Dinge“ in der Galerie Junge Kunst (K) |
| 1988 | Gera, Ankäufe der „Sammlung Handzeichnung in der DDR“, Galerie der städtischen Kunstsammlungen (K) |
| 1987 | Burgk/Saale, „Druckgrafik aus dem Bezirk Halle“ im Museum Schloß Burgk(K) |
| Halle, „Grafik und Handzeichnung im Bezirk Halle“ Galerie Roter Turm(K) | |
| 1986 | Halle, Ausstellung des VBK im Künstlerhaus |
| 1984 | Leipzig, „ Kunst und Sport“, in der Messehalle am Markt (K) |
| Berlin, „Junge Kunst“, Altes Museum/ Nationalgalerie (K) | |
| 1983 | Halle, Staatliche Galerie Moritzburg (Landesmuseum Sachsen-Anhalt) |
| 1983/85 | Halle, „AtelierI“/ „AtelierII“, Galerie Roter Turm |
| 1983/87 | Dresden, IX. und X. Kunstausstellung der DDR (K) |
| 1982 | Merseburg, „Kunst des Holzschnittes“, Galerie im Schloßmuseum |
| 1981 | Venedig, „12 Giovanni Artisti Grafici“ in der Galleria Bevilacqua La Masa (K) |
| 1980 | Frankfurt/O., „Junge Künstler“ in der Galerie Junge Kunst (K) |
| 1979/84 | Kunstausstellung des Bezirkes Halle in den Ausstellungshallen Peißnitz (K) |
| 1978/81 | Halle, Ausstellung der Kunsthochschule „Burg Giebichenstein“ in den Ausstellungshallen (K) |
Messeteilnahmen
| Palm Beach, Florida, Contempory Fair | |
| Moskau, Art Moskau mit Leonard Ruethmueller | |
| Contemporary Art Basel |
I.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich dem Werk des heute in Dresden ansässigen Hallensers Henri Deparade zu nähern. Die kunsthistorisch naheliegendste wäre, die wechselnden Richtungsorientierungen seiner verschiedenen Werksphasen aufzulisten und daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen. Also die Schilderung seines Wegs von den an der altdeutschen Malerei und am Verismus von Malern wie Dix und Querner angelehnten akademischen Anfängen über die Auseinandersetzung mit Expressionismus, Surrealismus, dem späten Picasso, abstraktem Expressionismus und Informel bis hin zu den heutigen Bildern, die in gewisser Weise eine Art autonome Kombination von alledem verkörpern: eine Synthese abstrakt-expressiver Räumlichkeit mit psychisch-automatischer Figurenzeichnung bei gelegentlichem Aufscheinen realer Bezüge. Das stimmt zwar alles, ist jedoch im Grunde nur Begriffsgeklingel, das uns der Substanz der Bilder Henri Deparades nicht näher bringt, sondern lediglich die inzwischen sattsam bekannte Beobachtung untermauert, dass wir uns in einer Epoche befinden, die sich unter zeitgenössischen Gesichtspunkten der Kunstgeschichte und ihrer Ausformungen bedient, diese individuell fortschreibt, je nachdem auch mit technischen Neuerungen verbindet, um daraus neue, persönlich verantwortete Sehweisen zu entwickeln, die in der Synthese mehr sind als nur die Summe ihrer Teile, eben über die Einzelgesichtspunkte hinaus zu einer neuen Differenzierung und Intensität der Betrachtung unserer alten menschlichen Grundfragen zu gelangen.
II.
Bereits weiterführend ist die Frage, welcher künstlerischen Mittel sich Deparade bevorzugt bedient. Ihre Beantwortung sagt uns etwas über sein künstlerisches Temperament und die Gefühlstemperatur seiner Bilder. Hier ist zuallererst eine allen Bildern ausnahmslos zu Grunde liegende, ungegenständliche Farbkomposition, besser Farbkonstellation, zu nennen, die unter Ausnutzung der spezifischen Raumhaltigkeit der Farben die Assoziation unterschiedlicher Raumdimensionen und damit Raumbewegung suggeriert. Trotz dieser Bewegung findet jedoch stets ein harmonikaler Ausgleich statt, so dass selbst dramatische Stimmungslagen in der Balance gehalten werden. Mit dieser Farbkomposition verbindet sich eine in flüssiger, spontaner Handschriftlichkeit „herunter geschriebene“ Figürlichkeit, zum Teil die Farbkomposition überlagernd, zum Teil von jener überlagert, zum Teil von jener durchdrungen. Beides scheint untrennbar miteinander vereint. In einer Art innerem Parallelismus zur konstatierten Balance der Farbkomposition, findet auch innerhalb der Zeichnung, selbst bei dramatischsten Figurenkonstellationen, ein harmonikaler Ausgleich statt, bewirkt durch eine Schönlinigkeit, die an Matisse, vielleicht noch mehr an André Masson und vor allem Francis Picabia, also Ausformungen der surrealen Zeichnungsautomatik denken lässt. Auch beispielsweise Andy Warhol oder Sigmar Polke haben sich von hier entsprechende Anregungen geholt. Anflüge des Realen brechen immer dort durch, wo sich auf den Gesichtern leidenschaftliche Emotion abbildet. Ihre ausdrucksmäßige Zuspitzung verrät die veristischen Anfänge, ihre Einbettung in den linearen Schreibstil der Zeichnung die Auseinandersetzung mit dem elementaren malerischen Vortrag des späten Picasso.
III.
Erst Zusammenwirken und Anwendung der genannten künstlerischen Mittel führen zur inhaltlichen Aussage, die Deparades Kunst zugrunde liegt. Seine Farbkompositionen sind dezentralisierte, mehrzentrische Räume, nicht begrenzt, sondern nach allen Seiten hin offen, Ausschnitte eines umfassenden Größeren, das in harmonikal gestimmter Bewegung die menschliche Figur nicht nur durchdringt, insofern körperhaft verräumlicht, sondern diese auch in einem Gesamtzusammenhang birgt. Die Körper werden dadurch leicht, entmaterialisiert, fast schwebend. Vorder- und Hintergrund gehen dadurch fließend ineinander über, so dass differenzierte Raumschichtungen entstehen. Und wiederum können wir einen, diesmal inhaltlichen, Parallelismus zwischen Raum und Mensch beobachten. Der bei Deparade stets in Zweisamkeit oder als Gruppe auftretende Mensch erscheint nicht nur als soziales Wesen, in der Interaktion der Gruppe, als differenziert und unterschiedlich, sondern auch als Einzelwesen. Viele seiner Gestalten sind mit zwei oder drei Gesichtern dargestellt, als in sich unterschiedliche, zumindest differenzierte Wesen, gleichsam von psychisch mehrschichtiger Raumhaltigkeit, deren jeweilige Seinsschicht sich mit einer jeweils unterschiedlichen Raumschicht verbindet.
Weder Raum- noch Figurendarstellung sind von näher definierter Inhaltlichkeit, ihr Charakter ist der allgemeiner Grundkonstellationen: Nicht gerichtete Raumbewegung, sondern Bewegung allgemein, nicht inhaltlich begründete, sondern Aggression als allgemeines menschliches Phänomen, nicht spezifische Sexualität identifizierbarer Personen, sondern in allgemeiner Bildhaftigkeit durch das Symbol der Zunge usw. Ausdrücklich bemerkt Henri Deparade in einem Gespräch mit Ingrid Koch aus dem Jahre 2005: „Indem man eine narrative Struktur zugunsten einer assoziativen Freiheit auflöst, kann es gelingen, den Rezipienten als Interpreten ernst zu nehmen. Zeit- und Raumachsen relativieren sich. In der malerischen Verwirklichungsform gibt es eine inhaltliche Erweiterung; so verschiebt sich das Gewicht vom „Realitätssinn“ zum „Möglichkeitssinn.“ Das heißt: Erst der Betrachter befördert durch seine Assoziationen die allgemeinen Inhalte der Bilder zu konkret inhaltlichen. Kunst wird zum Katalysator individueller Interpretation und Sinngebung. Dem widersprechen auch nicht Bildtitel, die Deparade häufig aus der griechischen Mythologie entlehnt. Das dortige Geschehen wird von ihm in Allgemeinsituationen übersetzt. Wenn zum Beispiel ein Bildtitel lautet: „Agamemnon, Klytämnestra und Kassandra“, so hat zwar der gebildete Betrachter sicherlich das beklagenswerte Schicksal des nach zehn Jahren aus dem trojanischen Krieg nach hause kommenden Königs von Mykene vor Augen, der dort von seiner inzwischen untreu gewordenen Gattin schnöde gemeuchelt wird, Deparade übersetzt aber das von der Seherin Kassandra geweissagte Fluchgeschick des Hauses der Atriden, dem Agamemnon angehörte, in eine allgemeine Fragestellung, nämlich die, ob wir vom Schicksal dem Konflikt ohne Ausweg, wie ihn das griechische Drama kennt, unentrinnbar ausgesetzt, also determiniert sind, oder, ob es doch so etwas wie eine selbstverantwortliche Handlungsmöglichkeit gibt, einen zumindest teilweisen freien Willen. Die Bilder Deparades sind ein Widerspiegel dieser Thematik: Auf der einen Seite die innere Gesetzlichkeit der künstlerischen Mittel, denen der Maler unterworfen ist, ob er will oder nicht, die er als gegeben vorgefunden hat, auf der anderen das psychisch-automatische Zeichnen, das Offenlegen von Schichten des Unterbewußtseins, die er in künstlerischer Freiheit dem anderen Bereich in ausbalancierter Synthese verbindet. Beide Seiten weisen, wie zu zeigen war, strukturelle Gemeinsamkeiten auf, die sie als Bestandteil ein und derselben Medaille erscheinen lassen. Henri Deparades Kunst ist ein allgemein formuliertes Versöhnungsangebot dieser Grundfrage menschlicher Existenz. Das ist der Sinn seiner bewegten Bildharmonie.
Prof. Dr. Rainer Beck, Lehrstuhl für Kunstgeschichte an Hochschule für Bildende Künste Dresden