Roswitha Hecke
| 1944 | Geboren in Hamburg |
| 1963 | Fotolehre abgeschlossen |
| ab 1965 | Arbeitet exklusiv für Peter Zadek als Theaterfotografin, außerdem fotografiert sie Filme u.a. von Werner Schröder, Eric Rohmer und Alain Tanner |
| ab 1976 | Längere Arbeits- und Lebensaufenthalte in Paris, Mexiko, New York, Barcelona, Tanger (Marokko), gelebt. Darunter Fotostationen: Sizilien, Zweimal Amerika durchquert, Guatemala, Peru, Bolivien, Indien, Ägypten, Nepal und St. Petersburg |
| 1979 | Erhielt den Kodak Preis für das beste Fotobuch „Liebes Leben“ |
| 1983 | Geburt von Sohn Said |
| 1990 | Geburt von Sohn Ivan |
| 2002 | Lehrtätigkeit an der Akademie für Bildende Künste in St. Petersburg (Meisterklasse Fotografie) |
„Durch meinen Freund und Begleiter – die Kamera – konnte ich meinen sehnlichen Wunsch, fremde Welten und Milieus zu erleben, erfüllen“
Roswitha Hecke
Die Lust auf Fremdes lässt sie durch Länder reisen wie die Türkei, Marokko, Mexiko, Indien. Es entstehen Milieugeschichten wie „Pigalle - Meine Strasse der Transvestiten“, „Liebes Leben – Bilder mit Irene“, „Detective Roy Finer“ und „Die Obdachlosen auf der Bowery“ und viele mehr. Im Trubel um sie herum hat Roswitha Hecke eine eigene Nische der Zeitlosigkeit gefunden, in der sie der Welt auf ihre Art begegnen kann. Ihre Fotografien wirken beneidenswert frei von dem Versuch modischer Trends nachzueifern und sind alles andere als spektakulär. Behutsam geht sie mit Menschen um, ob es sich um die Ausgestoßenen der Gesellschaft oder um Stars handelt. Sie benutzt ihre Kamera, um Kontakte zu knüpfen, um zu flirten, um zu geben und zu nehmen.
Roswitha Heckes Großvater war Offizier des letzten Zaren Nikolaus II und führte ein zaristisches Kavallerieregiment. 1919 wurde er von den Bolschiwiki in St. Petersburg kurzzeitig gefangen genommen. Ein Jahr später, nachdem er, kaum wieder in Freiheit, einen Aufstand angezettelt hatte, hat man ihn erschossen. Ihre Großmutter Elena Kobanowa flüchtete mit den beiden Töchtern Marina und Tamara über Odessa und die Krim nach Konstantinopel. Später führte das Schicksal sie nach Hamburg. Dort traf Tamara auf Roswitha Hecke´s Vater Helmut Hecke, ein Studienrat aus Hamburg. Sie wurde als jüngste der beiden Töchter am 21. Dezember 1944 in Hamburg geboren. Für Roswitha Hecke ist das Fotografieren eine Berufung. Sie ist 18 Jahre alt, als sie die Eingebung über Nacht bekommt nicht auf die Kunstschule zu gehen, sondern eine Ausbildung zur Fotografin zu absolvieren. Nach dreijähriger Ausbildung im Architektur- und Modefotoatelier Wolfson in Hamburg erhält sie den Gesellenbrief für Fotografie.
Die Hafenkinder, eines ihrer ersten Bilder, drücken bereits die Sehnsucht aus, einzutauchen in die fremden Milieus der gesellschaftlich am Rande stehenden Minderheiten. 1965 lernt sie den Theaterregisseur Peter Zadek kennen. Sie lebt mit ihm zusammen und fotografiert unter anderem seine Inszenierungen wie auch das Geschehen hinter den Kulissen. Nach sieben Jahren an der Seite von Peter Zadek zieht es sie jedoch mit der Kamera in die Ferne.
Ende zwanzig geht sie nach Paris, mietet sich ein Zimmer am Pigalle mit dem festen Vorsatz einige Zeit in der Welt der Prostituierten zu leben und diese zu fotografieren. Sie war aber unwissentlich in eine Straße der Transvestitenszene gezogen, musste ihr Vorhaben also umstellen und fotografierte drei Monate lang Transvestiten. Jeden Sonntag verbrachte sie mit ihrer Kamera im Bois de Bologne und hält die Sonntagsszenen fest. Die Ergebnisse dieses Parisaufenthalts erscheinen im „Zeitmagazin“ – ihre erste große Reportage. Des weiteren erhält sie Aufträge von „Lui“ und „Playboy“. Von 1967 bis heute begleitet sie die Schauspielerfamilie Bennent fotografisch, wie freundschaftlich. Es entstand ein mehrteiliger Bilder-Zyklus, sowie eine Reportage mit ihren Fotografien in der Zeitschrift „Stern“.
Auf ihrem Lebensweg begegnet sie 1976 in der Wohnung der Schauspielerin Bulle Augier dem Schriftsteller Wolf Wondratschek. Mit ihm lebt sie einige Jahre zusammen. Wondratschek erinnert sich gerne an eine ausgedehnte Reise durch die USA: „Alles war unserer Arbeit zuträglich, das Glück als Team, die Inspiration unserer Nähe - und die Fremdheit an jedem Ort“. Durch Wolf Wondratschek´s Liebe zum Boxsport fand die Künstlerin ihre eigene Faszination darin, Sportler im Boxmilieu fotografisch festzuhalten.
Anfang der siebziger Jahre begegnet Roswitha Hecke der Prostituierten Irene in Berlin. Jahre später beginnt sie mit ihr die Arbeit in Zürich und Rom an dem Buch „Liebes Leben“. Das Buch erscheint 1979 und wurde als bestes Fotobuch 1980 mit dem Kodak-Preis und 1982 als schönstes Buch von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Es erscheint in mehreren Sprachen. Das Buch „Liebes Leben“ hält sogar Einzug in die Universität Hannover. Im Institut für Soziologie wurde es im Lehrfach Kunstsoziologie zum Thema.
Der Erfolg des Buches ermöglicht es der Künstlerin erneut auf Reisen zu gehen. Sie fotografiert in London, Barcelona, Italien, Mexiko, Indien und Marokko. In Marokko verbringt sie mit ihren beiden Kindern drei Jahre abenteuerlich zeitweise im Zelt und Wohnwagen in Tanger. Die aus den verschiedenen Kulturkreisen festgehaltenen Eindrücke erscheinen 10 Jahre später im Männerbuch „Mann für Mann“.
Auf der Suche nach den Wurzeln ihrer Herkunft macht sie 2002 eine Bildstrecke von St. Peterburg. Gleichzeitig lehrt sie in der Akademie für Bildende Künste in St. Petersburg. In einer Ausstellung stellt sie die Bilder ihrer Wurzeln dem Ort ihrer Kindheit - Hamburg – gegenüber. Menschen, vor allem die persönliche Nähe zu ihnen, zieht sich wie ein roter Faden durch Roswitha Heckes Werk. Portraits von Künstlern und Freunden stehen in ihrer humorvollen Intimität einzigartig da. Von Beginn bis heute ist deshalb die Portraitfotografie neben den Milieustudien ihr stärkstes Ausdrucksmittel. So entstanden u.a. Portraits von Paul Bowles, Ingrid Carven, Omar Sharif, Xavier Corbero, und Andrés Segovia, um nur einige zu nennen.
Roswitha Hecke zeigt, wie Fotografie einmal war und immer noch sein kann: Zuneigung zu den Fotografierten, die Kunst des richtigen Blicks, des Staunens und der Heiterkeit. Wobei sie als Fotografin in ihren Bildern wie unsichtbar bleibt.
Sie lebt und arbeitet als freie Fotografin von Hamburg aus.
Frauke Moreno, Hamburg im Mai 2005
| 2007 | „Body politicx“, Witte de With, Rotterdam, 3 Fotografien aus dem Buch „Pigalle“, Paris |
| „Secret Views“, Retrospektive, Martin-Gropius-Bau, Berlin | |
| „Oh, mein Zadek“, Peter Zadek, private Fotos, Sibiu/Hermannstadt, Rumänien | |
| 2006 | „Oh, mein Zadek“, Peter Zadek, private Fotos, RuhrTriennale Bochum |
| 2005 | „Secret Views“ Familie Bennent, Galerie Molitoris, Hamburg |
| „Secret Views“ Roy Finer, Aplanat Galerie für Fotografie, Hamburg | |
| „Secret Views“ Im Dickicht der Fäuste, Aplanat Galerie für Fotografie, Hamburg | |
| 2004 | „Detective Roy Finer“, NORD/LB art gallery, Hannover |
| 2003 | „Secret Views“ Hamburg für St Petersburg – St. Petersburg für Hamburg, Kunstclub Hamburg |
| 2002 | „Pigalle“, Contemporary Art Gallery, Basel |
| „Secret Views“, Hamburg, Außenausstellung in der Speicherstadt | |
| 2000 | „New York City Faces“, Kunsthaus Hannover |
| 1999 | „Liebes Leben“, Galerie Levy, Madrid |
| 1998 | „Augenlust – Erotische Kunst im 20 Jahrhundert“, Kunsthaus Hannover |
| 1997 | „Liebes Leben“ und „Mann für Mann“, Libro Azul, Ibiza |
| 1990 | „Mann für Mann“, Olympus Galerie, Hamburg |
| „Liebes Leben“, Prince Gallery, Kyoto | |
| 1980 | „Liebes Leben“, Fotoforum in der Fabrik, Hamburg |
| 1978 | „Liebes Leben“, Galerie Levy, Hamburg |
| 2007 |
„Secret Views“, Photographien von 1964 bis heute, Schirmer/Mosel Verlag Katalog zur Retrospektive, Martin-Gropius-Bau |
| „Pigalle“, s/w, Paris, Verlag Walther König, Köln | |
| 2004 | Kunsthaus Hannover, „Augenlust – Erotische Kunst im 20 Jahrhundert, Katalog zur Ausstellung in der NORD/LB „Detective Roy Finer“ |
| 2002 | Katalog, „Secret Views“ Hamburg für St Petersburg – St. Petersburg für Hamburg |
| 1993 | Fotobuch (s/w) „TANGER“. Verlegt in Marokko und Spanien |
| 1989 | Fotobuch (s/w) „MANN FÜR MANN“ erschienen im Rowohlt-Verlag |
| 1978 | Fotobuch (s/w) “Liebes Leben” erschienen im Rogner und Bernhard-Verlag und Rowohlt-Verlag |
| Fotos zum Buch „Menschen-Orte-Fäuste“ (Diogenes Verlag) von Wolf Wondraschek |
Veröffentlichungen, Titelgeschichten sowie Reportagen u.a in:
- Die Zeit
- Zeitmagazin
- Payboy (Reportage)
- Lui (Reportage)
- Forbes
- Prince (Kyoto-Ausgabe)
- Merian
- Vogue
- Männer Vogue
- Stern



