Georg Molitoris

Peter Lembke

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6.10.1947 Geboren in Guayaquil/ Ecuador
1953 - 1964 Schule in Guayaquil
1965 Nach Deutschland
1965 - 1972 Studium der Fotografie an der Muthesius-Werkkunstschule in Kiel
1972 Nach Hamburg

Peter Lembke arbeitet als freier Fotograf für verschiedene deutsche und ausländische Zeitschriften und als freier künstlerischer Fotograf.

„Als ich Kind war, wollte ich nichts lieber als erwachsen werden.
Jetzt bin ich froh, es nie geschafft zu haben.“
Peter Lembke

Peter Lembke ist Bildjournalist und freier Fotograf. In seiner künstlerischen Arbeit der letzten Jahre beschäftigte er sich vorrangig mit der nackten, weiblichen Figur und deren Vorkommen in zwielichtigen oder doppeldeutigen Räumen. Von den Bildmotiven seiner neuesten Arbeiten mit dem Titel “Der verborgene Krieg“ führt eine Spur zurück in seine Kindheit, genauer gesagt, in die Zeit der Kuba-Krise. Angeregt von den Pressefotos und Luftaufnahmen jener Zeit, stellte er die kriegerischen Szenerien im häuslichen Garten nach. Die unter Pflanzen und Büschen versteckten Spielzeugsoldaten und Panzer fotografierte er mit seiner Pocketkamera von einem erhöhten Standpunkt aus und untersuchte anschließend die Fotos mit einem Fadenzähler, um als Spion in eigener Sache die versteckten Objekte wieder ausfindig zu machen.

Aus der Erinnerung an dieses kindliche Spiel vom Sichtbarmachen dessen, was nicht gesehen werden soll, ist die neue Bildserie entstanden. Man weiß aus Erfahrung, dass die Betrachtung von Kriegsbildern aus der Luft paradoxe Reaktionen auslösen kann. Die Unschärfe des Bildmaterials, der große Abstand vom Ort des Geschehens und die Reduktion der Objekte auf Spielzeugformat stehen in einem seltsam kühlen Widerspruch zur Intensität der Ereignisse am Boden und können eine Art moralischer Verlegenheit auslösen.

I n den Suchbildern Peter Lembkes geht es allerdings weniger um ethische Fragen als vielmehr um die strategisch-spielerische Seite des Krieges und um ein durchaus abgründiges Spiel mit Größenverhältnissen. Seine Kleinst-Bataillone operieren an spanischen, französischen und deutschen Schauplätzen mit beziehungsreichen Name.

In der „Eroberung von Los Martires“ (die Märtyrer) startet eine winzige Bomberstaffel vom Fahrstreifen einer Straße aus. Bei der „Belagerung von Malpartida“ (schlechte Gegend) sichert ein Stoßtrupp von sechs däumlingsgroßen Soldaten eine Straßenecke, während bei der „Erstürmung des Monte Hermoso“ (schöner Berg) kleine Panzer und Infanteristen große Haufen Kuhscheiße zu bezwingen versuchen. In grünlichen „Luftaufnahmen“, die anmuten, als sei das Szenario durch ein Nachtsichtgerät betrachtet worden, umkreisen Panzer undefinierbare Gebäude oder hinterlassen Lastwagen wirre Fahrspuren.

Die Übersetzung von etwas so Imposantem wie dem Kriegsgeschehen in eine Welt des Klitzekleinen hat eine Wirkung, die über die reine Ironie oder den poetischen Schock hinaus geht.
Als Herr über die Totale, der man als Betrachter durch die Bildanordnung
zwangläufig wird, gerät man unversehens in zweierlei Rollen: Einerseits versucht man mit kindlicher Neugier auf dem großen Plan
die nahezu unsichtbaren Protagonisten ausfindig zu machen, auf der 
anderen Seite gewinnt man durch den aufgezwungenen Standpunkt 
einen fast philosophischen Abstand zum Gesamtthema. Die gigantische Größe der Landschaften, Gebäude und Straßen im Vergleich
zur Zwergenhaftigkeit ihrer Okkupanten erzählt von anmaßenden, aber 
vergeblichen Kämpfen gegen das Unbesiegbare.

So, wie unser Globus zahllose aufgeregte Kriege überdauert hat, wird auch das 
Silo von Los Martires den Anschlag überstehen.
Ebenso wird auch der Däumlingskommandeur der Truppen vor Malpartida
die Schlacht nicht gewinnen, mag er seine Streitkräfte auch noch so sehr
mit der Stimmgewalt einer Ameise anfeuern.
Ob man von diesem kriegerischen Mikrokosmos aus Vergleiche zu 
größeren Verhältnissen ziehen möchte, bleibt jedem überlassen.
Eins aber wird hörbar beim längeren Betrachten dieser stillen Bilder: 
ein leises Hintergrundrauschen verschwörerischer Sinngebung und geheimer Konnotationen.

Frauke Moreno , Hamburg im Mai 2005